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| Yoga bedeutet eine Transformation des Selbst, innerlich wie äußerlich. Wie diese Transformation erreicht wird, ist in den verschiedenen Yoga-Traditionen und -Stilen teilweise unterschiedlich gehandhabt. Aber alle Traditionen sind sich in einem Punkt einig: Yogas Citti Vritti Nirodah Yoga ist das Zur Ruhe kommen der Geistestätigkeiten. (Patañjali Yogasūtra I,2) Meine Auffassung Heutzutage werden wir mit einer Fülle von verschiedenen Yoga-Stilen überflutet, die jede für sich eine absolute Gültigkeit hat. Die alten Yoga-Wege -Bhakti, Karma, Jñāna- haben dabei immer mehr oder weniger die einzelnen Stile beeinflusst und geprägt. Einzelne Stile beziehen sich dabei auf indische Quellentexte zu und transportieren deren Inhalte in unsere heutige Zeit und finden eine Adaption für den modernen Menschen. So wird die Bhagavad gītā gerne bei religiöseren Yoga-Stilen zitiert, während sich philosophische Yoga-Richtungen gerne mit dem Yoga-Sūtra des Patañjali beschäftigen. Der Westen kennt unter dem Begriff Yoga in der Regel nur die körperliche Ausübungen wie die Āsanas (Körperhaltungen), Prān̟āyāma (Atemkontrolle) und/ oder die Dhyāna (Meditation). Ergänzend sei hierzu die Hatha-Yoga-Pradīpikā des Svatmarama genannt.
Doch der Ansatz des Yogas ist ganzheitlicher. Der Mensch wird nicht nur in seiner Körperlichkeit erfasst, sondern bekommt auch eine Anleitung für ein harmonischeres Leben mit sich selbst und seiner Umwelt. Ob er dazu vegetarisch lebt, ob er nur die Āsanas/ Prān̟āyāma als Körperertüchtigung ausführt oder ob er nach spirituellen Erkenntnissen strebt, bleibt dem Einzelnen überlassen und wie sehr er bereit ist sich auf das Abenteuer Yoga einlassen. Für mich persönlich habe ich entschieden, verschiedene Yoga-Wege in meinem Yoga Sadhana zu integrieren. So ist für mich die -spirituelle- Hingabe (Bhakti) genauso Teil meiner Yoga-Ausübung wie das selbstlose Handeln (Karma) und das Studieren (Jñāna) der Quellentexte oder des eigenen Selbst (svadhyāya). Angeleitet werde ich dabei von verschiedenen Lehrern und Tradition, doch letztendlich vertraue ich am Meisten meiner Intuition, meinem inneren Lenker (antaryāmin).
Impressionen
Yoga als körperlicher Übungsweg- meine Synthese Auf dem körperlichen Übungsweg konnte ich nun verschiedene Feststellungen für mich machen, die ich mit den einzelnen Yoga-Stilen gemacht haben und für mich daraus eine Art Synthese herleiten, die mein Verständnis des Yogas stark geprägt hat.
Vinyāsa Krama
Kr̟s̟n̟amacharya sprach von den drei Aspekten des Vinyāsa krama: Vinyāsa chikitsa, Vinyāsa śakti und vinyāsa adhyātmika. Vinyāsa chikitsa ist der therapeutische Ansatz an den Yoga, Vinyāsa śakti ist der Yoga, welcher Stärke und Kraft steigert und vinyāsa adhyātmika ist der Yoga, welcher Dich näher an die subtile Realität, zu Gott, bringt. Diese letzte Methode ist keine spezielle Trainingstechnik, sondern vielmehr ein Verständnis des Übungsansatzes. Durch die ersten beiden praktischen Methoden kannst Du Deine Praxis bereichern mit der Hingabe an das göttliche Selbst: adhyātmika die göttlicher Seele. Dies ist auch als Bhakti Yoga bekannt, der Yoga der Hingabe. Ausdruck dieser Hingabe findet sich im Ausspruch: "Nicht mein Wille sondern SEIN Wille geschehe". Dabei geht es weniger um das passive Hinnehmen als vielmehr um die positive Bestätigung des Grundes einer jeden individuellen Seele: Zur Einheit mit der Gott-Seele aufzusteigen. Der As̟t̟ānga Vinyāsa Yoga wie ich sie erfahren habe, fokussiert hauptsächlich darauf die physische und psychische Kraft zu steigern, und mit besonderer Achtsamkeit ein gesteigertes Gefühl zur Hingabe zu entwickeln. Auch werden gewisse therapeutische Erfolge durch die Praxis der Serie erreicht, dies geschieht mehr als eine Art Nebeneffekt. Es gibt hier kaum Möglichkeiten zur individuellen Therapie. Die Serie ist vorgegeben und diese auch nicht geändert, so lehrte es Śri K.P. Jois. Das Vinyāsa Krama oder die Yoga Therapie -nach T.K.V. Desikachar- ist mehr nach dem individuellen therapeutischen Nutzen ausgerichtet. Eine Hingabe entsteht bei der Praxis. Aber damit konnte ich nicht wirklich Stärke und Śakti aufbauen.
Der Iyengar Yoga ist für seine Präzision berühmt. Man entwickelt ein besseres Verständnis für die eigene Körperanatomie und das Zusammenspiel der einzelnen Muskeln und der Biomechanik. Berühmt ist der Iyengar Yoga auch für die Integration von Hilfsmitteln und die Anpassung der Āsanas an die Bedürfnisse des Einzelnen. Aus meiner Sicht vermisse ich hier den traditionellen Flow oder auch die Selbstpraxis wie zum Beispiel beim As̟t̟ānga Vinyāsa Yoga. Im Sivananda Yoga werden die Āsanas eher einfach ausgeführt-aber durchaus sinnvoll-, der Schwerpunkt liegt eindeutig mehr auf der Hingabe zum Göttlichen als wie auf den physischen Körper oder das Erreichen eines körperlichen Gesundheitszustandes. Der Ansatz des Yogas versteht hier eher philosophisch, etwas das man bei den westlichen Ansätzen gerne geneigt ist zu vergessen. Aus meinem persönlichen Verständnis umfasst ein vollständiges Yoga-System alle drei Elemente: Therapie, Kraftaufbau und die Hingabe. Mit einfachen Mitteln kann man den Kraftaufbau mit therapeutischen Alternativen verbinden. Bist Du einerseits ehrgeizig bei Deiner Praxis und versuchst Dich an schwierigeren Āsanas ergibt es ein gesteigertes Risiko sich zu verletzen. Standardisiert Du andererseits Deine Praxis und hältst diese einfach, kann es passieren, dass die Motivation und die Energie dazu etwas nachlässt. Der erste Ansatz erscheinst rajāsisch oder überaktiv und der Zweite wohl eher tamasisch oder unteraktiv. Die goldene Mitte zwischen diesen Ansätzen erscheint erforderlich, um den dritten sattvischen Zustand zu erreichen. Normalerweise schwankt die eigene Praxis gerne zwischen den ersten Beiden, ein zu viel oder ein zu wenig. Startest Du mit der einen Neigung, wirst Du früher oder später bei der anderen landen. Aus meinem Verständnis führen alle Wege zu Gott. Das ist vinyāsa adhyātmika. Jede Bewegung hat eine göttliche Quelle. Die Achtsamkeit, die feinste Form des Bewusstseins, kommt von Gott. Anders ausgedrückt: Ich denke, einer der großen Vorzüge des As̟t̟ānga Vinyāsa Yoga ist die Beständigkeit und die Gleichheit. Du kannst Dich anvertrauen, weil Du weißt, was als Nächstes kommt. Das erzeugt Kraft und eine Aussicht auf zukünftige Entwicklungen. Aber er ist nicht sehr anpassungsfähig oder kreativ. Meine persönlichen Erfahrungen mit den anderen Yogatraditionen sind eher therapeutischer Natur aber dabei vermisse ich etwas die Beständigkeit oder die Abenteuerlust. Oft habe ich den Eindruck, dass Yogalehrer anderer Traditionen selber weniger regelmäßig praktizieren. Trotz eventueller Kritik an den As̟t̟ānga Yogalehrern muss man diesen zugestehen, dass diese meistens sehr regelmäßig praktizieren. Manche As̟t̟ānga Yogalehrer müssen wieder der Kritik hinnehmen, dass man ihnen einen Mangel an Kreativität nachsagt oder das fehlende Verständnis für die individuelle Anpassung zum gesundheitlichen Benefiz des Einzelnen wie es zum Beispiel in der Yogatherapie üblich ist. Das Verstecken hinter eine Tradition ist eine Verkörperung von tamas oder schlichtweg Bequemlichkeit oder Faulheit. Persönlich verstehe ich nun Vinyāsa krama als ein Lernprozess. Ein Lernprozess, indem ich bestimmte Übungsfolgen wiederhole und wiederhole, um die besonderen Feinheiten darin immer stärker zu entdecken. Das ist wie das Anhören einer Tonbandaufnahme. Einerseits kann ich die Aufnahme anhören während ich dabei Auto fahre oder anderen Verrichtungen nachkomme, Tag für Tag. Andererseits kann ich auch diese Aufnahme eines Tages bewusst hören. Und erkenne dann mit jeder Wiederholung immer mehr Details und entwickle ein Verständnis, ein Gespür für die Musik. Eine Intuition, die mich immer tiefer in meine Musik führt. Eine Musik, die in meinen Unterricht erklingt und getragen ist von meinem Verständnis der drei Aspekte des Vinyāsa krama. "Stay fluid, even in staccato." 
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